Agilität? Was ist das und wann brauche ich das.

Julie Ann Chan
6. Oktober 2020

In Teil 1 und Teil 2 unserer Serie zum Bewerbungsgespräch haben wir den Ablauf eines Jobinterviews beleuchtet und uns mit der Frage befasst, welche Softskills erforderlich sind. Ein ganzes Mindset hingegen wird benötigt, wenn agiles Arbeiten gefragt ist. Und Jobsuchende sehen sich in zunehmendem Maß mit der Frage konfrontiert, ob sie schon agil arbeiten. Falls auch Sie um die Antwort verlegen sind, lesen Sie, was DreiKreis-Gründerin und Geschäftsführerin Katharina van Zeller dazu zu sagen hat. In diesem fünfteiligen Guide teilt sie ihre über zehnjährige Erfahrung in der IT-Personalberatung.

Kennen Sie agil?

Gerade in der IT-Branche, aus der heraus sich das agile Arbeiten in den letzten beiden Jahrzehnten entwickelt hat, setzen Firmen zunehmend auf Anpassungsfähigkeit und flexible Kollaboration der Fachkräfte. Schlagwörter wie dynamische Netzwerke, lebenslanges Lernen, Selbstorganisation, Empowerment und Methoden, wie zum Beispiel Scrum sind seit Jahren, gerade im Projektmanagement, häufig anzutreffen.

Unter dem Begriff Agilität werden Werte, Prinzipien, Techniken und Methoden verstanden, die eine drastische Abkehr von der herkömmlichen Arbeitsweise bewirken sollen. Bisher wurden im Rahmen einer festgefügten Hierarchie, „top-down“, und mithilfe umfänglicher Planung detaillierte Prozesse aufgestellt. Diese wurden nach festen Vorgaben ausgeführt. Stattdessen wollen agil arbeitende Unternehmen die Menschen mit ihren individuellen Kompetenzen und ihrer Interaktion untereinander in den Mittelpunkt stellen.

Individualität und Interaktion im Mittelpunkt eines dynamischen Prozesses.

An die Stelle langfristiger Planung tritt dabei ein dynamischer Prozess, bei dem Aufgaben vorab nicht vollständig beschrieben werden. Auch das angestrebte Ziel kann kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Wesentlich ist dabei, dass Mitarbeiter*innen nicht mehr die ihnen zugeteilten Aufgaben erfüllen, sondern selbst bestimmen, wer, wann, was macht – außerhalb der klassischen Organisationsstruktur und über Abteilungsgrenzen hinweg. Arbeitsprozesse werden in einzelne Abschnitte unterteilt, priorisiert, umgesetzt und der aktuelle Stand des Projekts regelmäßig im Team besprochen.

Entscheidungen werden dabei schnell getroffen, die Verantwortung den Mitarbeitenden übertragen. So entsteht, weg von der klassischen Hierarchie, eine dynamische, flache, durchlässige Struktur mit offenen Grenzen. Voraussetzung dafür ist, dass Informationen transparent und offen kommuniziert werden, Wissen schneller verbreitet wird und so Ressourcen optimal ausgenutzt werden.

Optimale Ressourcenverwertung durch Dynamik, Verantwortung und Transparenz.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die Fehler- bzw. Lernkultur in agilen Organisationen. Das bedeutet, dass sowohl aus erfolgreichen, als auch schwächeren Entscheidungen Schlüsse gezogen werden. Diese sollen möglichst dem gesamten Team bzw. Unternehmen zur Verfügung stehen und so eine dynamische Weiterentwicklung aller Beteiligten ermöglichen.

Die so entstehende rasche Anpassungsfähigkeit, nicht nur des Einzelnen, sondern auch der übergeordneten Einheit führt dazu, dass Veränderungen der Umwelt und Innenwelt (zum Beispiel Kund*innen, Markt, aber auch Mitarbeiter*innenstruktur) frühzeitig einbezogen werden. So soll durch entsprechende Adaption im Extremfall sogar die Überlebensfähigkeit einer Organisation gesichert werden.

Agiles Mindset – will ich so arbeiten?

Agilität ist mehr als ein Schlagwort. Gefragt ist eine neue Denkweise. (c) DreiKreis

Sie haben bisher in einer traditionellen Organisation gearbeitet? Jetzt suchen Sie eine neue Herausforderung und fragen sich, ob agil etwas für Sie ist. Es gibt eine Reihe von Eigenschaften, die agiles Arbeiten erleichtern und interessant machen können.

Die gute Nachricht vorab: für Agilität gibt es kein Alterslimit. Selbstorganisation und Initiative sind gefragt, wenn es darum geht, Aufgaben selbst zu definieren und sie in Eigenregie umzusetzen. Van Zeller erläutert: „Unsere Kunden arbeiten meistens mit Jira. In diesem System werden Aufgaben zentral abgelegt und jeder nimmt sich proaktiv seine Aufgabe. Dies erfordert ein gewisses Mindset, das auch viele junge Leute nicht mitbringen.“

Zu den Voraussetzungen für agiles Arbeiten gehören neben Mut und Vertrauen auch die Bereitschaft Fehler zu machen, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Wichtig ist, Erkenntnisse, die Sie aus schwächeren Entscheidungen ziehen, mit Kolleg*innen zu teilen.

Fehler regen zur dynamischen Entwicklung aller Beteiligten an.

Welche agilen Methoden sollte ich kennen?

Es gibt eine ganze Reihe von agilen Methoden. Für einen Jobwechsel sollten Sie die Wichtigsten kennen. Am bekanntesten in der Praxis ist wohl Scrum. Aber auch Jira, Kanban, Unified Process, Design Thinking und Xtreme Programming sollten möglichst keine Fremdwörter sein.

Bewerben Sie sich bei einem agil arbeitenden Unternehmen? Wir empfehlen unseren Kandidat*innen, sich ausführlich in die entsprechenden Methoden einzulesen. Selbst, wenn Sie bisher damit nicht gearbeitet haben, eventuell sogar noch Agilitäts-Neuling sind: Es hilft, wenn Sie zeigen, dass Sie bereit sind, umzudenken.


Scrum ist eine von vielen Möglichkeiten, sich Agilität zu nähern. (c) DreiKreis

„Eine Möglichkeit, sich einzuarbeiten, ist die Zertifizierung als Scrum Master,“ sagt van Zeller. Auch die vielen einschlägigen Foren bieten einen soliden Ausgangspunkt. Gut zu wissen: Heutzutage verlangen Unternehmen nicht mehr, dass bereits mit Scrum gearbeitet wurde. „Denn wenn Offenheit und Lernbereitschaft in dieser Richtung bestehen, wird dem Kandidat*innen in der Regel zugetraut, sich diese Arbeitsweise anzueignen.“

Auch Agilitäts-Neulinge haben eine gute Chance!

Wie sehr wird agiles Arbeiten tatsächlich gefordert?

Bei weitem nicht alle Unternehmen arbeiten mit agilen Methoden. Und nur einige suchen explizit entsprechende Kandidat*innen.

 „Unsere Kund*innen teilen uns im Vorwege mit, wenn sie spezifisch kommunikative, dynamische Personen suchen, die Flexibilität im Kopf und ein agiles Mindset mitbringen,“ erzählt van Zeller.

„Diese sollten in Scrum und nach Absprache mit dem Team proaktiv Aufgaben übernehmen wollen.“ Aber es gibt auch genügend Firmen, die klassische Entwickler*innen suchen. Bei DreiKreis achten wir darauf, unsere Kandidat*innen nur zu solchen Kunden zu schicken, zu denen sie auch vom Mindset her passen.

Häufig ergibt sich aus der Stellenbeschreibung, ob ein Unternehmen dynamisch arbeitet. Auch die Position gibt darüber Aufschluss. Als Projektmanager*in sollte Agilität kein Fremdwort sein. „Die Fähigkeit mit Menschen zu kommunizieren und Menschen zusammenzubringen wird von der Position vorausgesetzt,“ erklärt van Zeller. „Für Entwickler*innen sieht es ein bisschen anders aus. Hier wird dieWebsite des Unternehmens Aufschluss darüber geben, ob mit Scrum oder agilen Methoden wie Kanban gearbeitet wird und wie jung, hip und dynamisch ein Unternehmen sich vorstellt.“

Lesen Sie im vierten Teil unserer Serie zum Bewerbungsgespräch, wie die zweite Runde aussehen könnte. Sind Sie bereit, eine konkrete Fragestellung  zu lösen? Wir geben hilfreiche Tipps und stellen einen Kandidaten vor, der einen Test nicht nur erfolgreich, sondern mit Freude bestanden hat!

Wollen Sie noch mehr Tipps, um sich auf Ihr bevorstehendes Jobinterview vorzubereiten? DreiKreis-Geschäftsführerin und Expertin Katharina van Zeller hat Tipps parat.
Lesen Sie hier alle Ratgeber zu unserer Serie zum Bewerbungsgespräch.

Teil 4: Runde 2: Gespräch, Testaufgabe oder Assessment Center



Julie Ann Chan

Hamburg - London - Wien. Eine kaufmännische Ausbildung gefolgt von einem Jus-Studium und die langjährige Tätigkeit als stellvertretende Chefredakteurin und freie Journalistin sind das berufliche Rüstzeug der DreiKreis-Hausjuristin. Wenn sie gerade keine Verträge schreibt, kocht sie leidenschaftlich gern und schreibt über Essen & Trinken.

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