Was junge Frauen in IT wissen sollten – Lori Beer, CIO, JP Morgan

Julie Ann Chan
15. Oktober 2020

Gestern hat DreiKreis im Rahmen des Ada Lovelace Day an ALD-Gründerin Suw Charman-Andersons Unterhaltung mit Lori Beer, Global Chief Information Officer, JP Morgan Chase & Co. teilgenommen.

Dieses spannende und vielfältige Webinar enthielt neben Themen wie Work-Life-Balance, wie man mit der Covid-Krise umgeht und in der schnelllebigen IT-Welt den Anschluss behält, auch handfesten Rat für junge Frauen, die in einen MINT-Beruf (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) streben.  Wir haben für Sie zusammengefasst, was uns besonders inspiriert hat:

Der Blick fürs große Ganze

Wie wird man so erfolgreich wie CIO Lori Beer? Frauen, die es an die Spitze schaffen wollen, sagt Lori, müssten verstehen wie ihr Unternehmen funktioniert. Sie sollten wissen, wie Prozesse ablaufen und wo Veränderungen das Geschäft effizienter und erfolgreicher gestalten können. Es reiche nicht, seine Aufgaben hervorragend zu meistern, man müsste sie überdies in Bezug zum übergeordneten Kontext setzen können.

Offenheit, breites Denken, Initiative.

Um das zu erreichen, brauche es ein bestimmtes Mind-Set, Offenheit und die Bereitschaft Fragen zu stellen. Und während in-die-Tiefe-Denken wichtig sei, um individueller Aufgaben erfolgreich abzuschließen, werde in-die-Breite-Denken benötigt, um Verknüpfungen herzustellen. Dafür brauchten Frauen Initiative, sagt Lori und fügt hinzu: „Warten Sie nicht auf Input, werden Sie aktiv, ergreifen Sie Möglichkeiten. Nur wenn Sie kontinuierlich Ihre Fähigkeiten ausweiten, werden die großen Chancen kommen.“


Foto mit freundlicher Genehmigung von Ada Lovelace Day

Feedback, Feedback, Feedback

Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, Selbstreflexion eine wichtige Voraussetzung. Aber, sagt Lori, es ist unheimlich wichtig und hilfreich, andere um Hilfe zu bitten. Mentor*innen, Coaches, Chef*innen, sie alle können wertvolles Feedback geben. Dieses werde benötigt, um ein klares Bild von sich und seinen Möglichkeiten zu erhalten.

Finden Sie jemanden, die*der sich nicht scheut, konstruktive Kritik an Ihrer Arbeit zu üben. Oft als etwas Negatives schnell abgetan, sollte Kritik als Geschenk betrachtet werden. Schließlich sei es ein Zeichen von Mut und Wertschätzung, einem anderen, Hilfe zum Lernen, Entwickeln und Wachsen anzubieten.

Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, Selbstreflexion eine wichtige Voraussetzung. Aber, sagt Lori, es ist unheimlich wichtig und hilfreich, andere um Hilfe zu bitten. Mentor*innen, Coaches, Chef*innen, sie alle können wertvolles Feedback geben. Dieses werde benötigt, um ein klares Bild von sich und seinen Möglichkeiten zu erhalten.

Wir brauchen Kritik zum Erfolg!

Es sei schon viel gewonnen, wenn wir lernten zuzuhören und das Gesagte mit Bescheidenheit zu akzeptieren. Denn in jeder Kritik stecke ein Wert und jeder könne davon profitieren, seine Schwachstellen zu erkennen. Gerade dort bestünde eine Chance, sich weiterzuentwickeln, seine Fähigkeiten ausbauen. Darauf beruhten unsere Erfolge. „Je mehr Sie sich verbessern, desto erfolgreicher werden Sie im Laufe ihrer Karriere sein,“ erklärt Lori und fügt hinzu „suchen Sie kontinuierlich Feedback, das Sie nach vorne bringt, heraus aus der Komfortzone.“

Risiken eingehen, Scheitern wagen

Die Bereitschaft Risiken einzugehen, anstatt Sicherheit zu suchen, ist kein klassisch weiblicher Charakterzug. Trotzdem, so die CIO, sei sie unabdingbar für persönliches Wachstum und beruflichen Erfolg, sowohl für Männer als auch Frauen. Und, wie Lori herausstreicht, wo die Komfortzone verlassen werde, Risiken und Fehlschläge öfters gewagt würden, seien die Chancen zu wachsen am größten.

Scheitern können ist wichtig!

„Wenn Sie Risiken eingehen,“ sagt sie, „werden Sie notwendigerweise scheitern. Das gilt für jeden von uns! Nutzen Sie Misserfolge, um daraus zu lernen. Sie werden erleben, dass Menschen, die sich ihrer Schwächen bewusst sind und offen zu ihren Fehlern stehen, sehr viel eher akzeptiert werden als die, bei denen vermeintlich alles immer glatt läuft.“

Fähigkeit der Zukunft: Vernetztes Denken

In einer Welt, die zunehmend von Technologie bestimmt ist und immer digitaler wird, sind Menschen, die Verknüpfungen herstellen können, Gesamtlösungen, eingebettet in das größere Ökosystem sehen, kurz: den Blick fürs große Ganze haben, händeringend gesucht.

„Aber, um den Blick fürs große Ganze zu bekommen, müssen Sie zunächst Ihr kritisches Denken schärfen,“ erklärt die CIO. „Die Welt wird immer komplizierter, Technologie ändert sich rasant. Verharren Sie nie bei Ihrem jeweiligen Wissensstand, suchen Sie immer den Blick über den Tellerrand. Und vor allem: Seien Sie sich dessen, was Sie nicht wissen bewusst!“

Klarer Blick für die eigenen Lücken.

Sie führt aus: „Freunden Sie sich damit an, sich unwohl zu fühlen, nicht zu wissen, wohin die Reise geht. Dann werden Sie erfolgreich alle künftigen Herausforderungen meistern können.“

Aus Konflikten Nutzen ziehen

Für viele Menschen schwierig, sind Konflikte dennoch ein Schlüssel zum Erfolg. Doch wie lernt man, konstruktiv damit umzugehen? Dies ist Loris Rat: „Konflikte gibt es überall, insbesondere dort, wo intelligente Menschen zusammenarbeiten, wo jeder starke Ideen hat. Es ist wichtig, auf das Ziel zu fokussieren und sich nicht in eine Debatte über Meinungen zu verstricken.“

Und wie bringt man die verschiedenen Ansichten zusammen? Auch dazu hat sie einen Tipp: „Es ist unglaublich wichtig, Diskussionen so zu steuern, dass sich jeder gehört fühlt. Halten Sie inne und nehmen Sie die Perspektive Ihrer Kollegen ein.“ Dabei müsse man sich sowohl des angestrebten Ziels als auch der Entscheidungskompetenzen Bewusstsein. Letztlich, sagt sie, werde jeder Beteiligte die Entscheidung unterstützen müssen. „Konflikte sind nichts Schlechtes,“ schließt Lori. „Zum besten Ergebnis kommt man nur, wenn jeder seine besten Ideen einbringt, das geht ohne Reibung nicht!“

Durch Konflikt zum besten Ergebnis!

Das ganze Webinar zum Nachhören gibt es hier:


Ada… wer? Vor kurzem haben wir über den Ada Lovelace Day berichtet, lesen Sie hier.

Im DreiKreis Newsroom können Sie sich auf weitere spannende Artikel zu dem Thema Frauen in IT in den nächsten Wochen freuen! 💚


Julie Ann Chan

Hamburg - London - Wien. Eine kaufmännische Ausbildung gefolgt von einem Jus-Studium und die langjährige Tätigkeit als stellvertretende Chefredakteurin und freie Journalistin sind das berufliche Rüstzeug der DreiKreis-Hausjuristin. Wenn sie gerade keine Verträge schreibt, kocht sie leidenschaftlich gern und schreibt über Essen & Trinken.

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