Meistern Sie schwierige Themen im Bewerbungsgespräch!

Julie Ann Chan
29. Oktober 2020

Im letzten Teil unserer Serie zum Bewerbungsgespräch erläutert DreiKreis-Gründerin und Geschäftsführerin, Katharina van Zeller, typische, unangenehme HR-Fragen.

In diesem mehrteiligen Guide teilt Katharina van Zeller ihre Erfahrungen aus einer Dekade in der IT-Personalberatung. Sie lesen in Teil 1 bis 4 über das Erstgespräch, benötigte Softskills, Agilität und die zweite Runde.

Gute Vorbereitung hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren!

Wie Sie bei typischen HR-Fragen punkten

„Wir erleben in den meisten Bewerbungsgesprächen, dass Fragen gestellt werden, die die Bewerber*innen verunsichern können und sollen,“ erzählt van Zeller. Solche typischen HR-Fragen könnten Kandidat*innen ganz schön ins Schwitzen bringen. Dies sei strategisch, denn so wollen Unternehmen herausfinden, ob Sie mit Stresssituationen souverän umgehen und auch unter Druck freundlich bleiben.

„Sie haben gute Karten, wenn Sie authentisch und ehrlich Fragen beantworten und so vermitteln, was Sie können und wollen. Wir empfehlen dabei, flexibel zu bleiben, offen zu sein und auch den Mut zu haben, ein lukratives Angebot abzulehnen, wenn das Unternehmen nicht passt.“

Seien Sie authentisch und ehrlich – auch zu sich selbst!

Im Folgenden stellen wir 7 Fragen vor, die wir häufig hören.

1. Was war Ihr bestes/schlechtestes Projekt?

Kandidat*innen sind häufig bei Fragen gefordert, die sie in ein „schlechtes“ Licht rücken könnten. Weil Misserfolge klassisch abgefragt werden, empfehlen wir, vorab eine gute Antwort zu überlegen. Dazu bietet es sich an, sich zusätzlich von Freunden oder Familie einschätzen zu lassen.

Fehler machen ist menschlich! Erklären Sie, wie Sie mit der Situation umgegangen sind. Was haben Sie daraus gelernt? Idealerweise vermitteln Sie, wie Sie an den Schwierigkeiten gewachsen sind. Dann werden Sie Ihr Gegenüber davon überzeugen können, dass Sie nicht nur Flexibilität, sondern auch eine gute Portion Selbstreflexion und Lernfähigkeit mitbringen.

2. Was sind Ihre Stärken/Schwächen?

„Ich finde, es gibt Fragen, die ein besseres Bild von den Kandiat*innen vermitteln, aber sie wird zweifellos häufig gestellt,“ sagt van Zeller. Hier sollten Sie eine diplomatische Antwort parat haben, die ehrlich ist, Ihre Chancen aber nicht verbaut.

Die eigenen Schwächen sollte man kennen – und dann gut verpacken!

„Man kann so etwas sagen wie: Ich vertiefe mich gern in meine Arbeit und dabei kann es passieren, dass ich die Zeit übersehe,“ so die Expertin. Auch hier gilt: Zeigen Sie, dass Sie Schwächen kompensieren, mit Problemen umgehen können und entwicklungsfähig sind.

3. Warum haben Sie häufig das Projekt/den Job gewechselt?

Diese Frage kann stressen. Das braucht sie aber nicht. Van Zeller rät:

Antworten Sie ehrlich, aber sprechen Sie nicht schlecht über alte Arbeitgeber!

Denn das werfe ein schlechtes Licht auf Sie! Zwar könne es sein, dass eine Veränderung in der Leitungsebene einen Jobwechsel nötig macht. Aber es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass Sie mit neuen Situationen und Schwierigkeiten nicht umgehen können.

Unser Tipp: Reflektieren Sie vor dem Gespräch, woran häufige Jobwechsel gelegen haben. Lassen Sie alte Bewerbungsgespräche Revue passieren und nutzen Sie die Erkenntnisse, um zukünftige Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass Sie durchaus Durchhaltevermögen besitzen.

4. Wie erklären Sie die (zahlreichen bzw. großen) Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Auch bei dieser Frage ist Ehrlichkeit gefragt. Manchmal hat man einfach Pech gehabt. Auch eine Auszeit, etwa ein Sabbatjahr, kann schlüssig erklärt und zum eigenen Vorteil ausgeschlachtet werden, z.B. weil sie Raum für wichtige Entwicklung geschaffen hat.

Berichten Sie kurz, welche Erfahrungen Sie gemacht haben und warum diese Sie hochmotiviert auf eine neue Aufgabe zustreben lassen. Erklärungsbedürftig, so die Expertin, seien Lücken in der Regel erst nach 6-12 Monaten. Denn, dass die Jobsuche Zeit in Anspruch nehmen kann, vielleicht auch gerade, weil ein guter „Fit“ für eine langfristige Zusammenarbeit wichtig sei, ist nicht nur verständlich, sondern sollte Ihnen sogar zum Vorteil gereichen!

„Unserer Erfahrung nach geben Unternehmen Kandidat*innen trotzdem eine Chance, solange Lücken gut erklärt werden und der sonstige Eindruck und die Fähigkeiten stimmen. Und sollten Sie technisch nicht mehr auf der Höhe sein, zeigen Sie Bereitschaft, sich einzuarbeiten. Am besten ist, Sie haben sich schon proaktiv eingelesen,“ schließt van Zeller.

Wichtig: Zeigen Sie Bereitschaft, sich einzuarbeiten!

5. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Auch diese – zu Unrecht gefürchtete – Frage können Sie für sich nutzen! Legen Sie sich ein anschauliches Beispiel zurecht. Damit können Sie zeigen, welche hilfreichen Schlüsse Sie aus konstruktiver Kritik gezogen, wie Sie sich dadurch weiterentwickelt haben. Wenn Sie demonstrieren, dass Sie reflektieren und aus Fehlern lernen, hat Kritik nichts Bedrohliches. Im Gegenteil, sie ist eine willkommene Hilfestellung. Diese Haltung wird auch Ihr zukünftiger Arbeitgeber schätzen!

Bewahren Sie trotz stressiger Fragen einen klaren Blick auf Ihr Ziel: Einen Job landen, der gut zu Ihnen passt!

6. Warum wollen Sie gerade in unserem Unternehmen/dieser Position arbeiten und warum sollten wir uns für Sie entscheiden?

Die ehrliche Antwort ist oft, dass man einfach einen Job haben möchte, gerade als Berufsanfänger*in. Trotzdem, wir empfehlen, sich das Unternehmen vorher gut anzuschauen. Was finden Sie attraktiv? Möchten Sie zum Beispiel in einem familiengeführten, oder einem österreichischen Unternehmen arbeiten, spricht Sie die Unternehmensphilosophie besonders an, suchen Sie einen internationalen Hintergrund und Entwicklungsmöglichkeiten oder haben Sie bereits Gutes von Mitarbeiter*innen, die dort arbeiten, gehört?

Entwicklungschancen sind in größeren Firmen meist besser, sowohl fachlich als auch von der Position her. Dafür können kleine Unternehmen flexibler, durchlässiger sein und haben flachere Hierarchien. Wesentlich ist auch hier, dass Sie Ihre Wahl schlüssig begründen.

Klein oder groß, die Wahl liegt bei Ihnen – nur passen muss es!

Arbeitgeber möchten herausfinden, wie Bewerber*innen sich zu seinem Nutzen einbringen werden. „Wir hören diese Frage häufig und wissen, wie wichtig den Firmen die Antwort darauf ist,“ betont van Zeller. „Dabei müssen Sie nicht nur sich und Ihre Stärken gut kennen, sondern auch das Unternehmen und dessen Bedarf.“ Dann aber werden Sie gut begründen können, warum sich Chef oder Chefin für Sie entscheiden sollten.

7. Wo sehen Sie sich in 5-10 Jahren?

„Sehr viele Kandidat*innen,“ so van Zeller, „haben mit dieser Frage Schwierigkeiten.“ Überlegen Sie, ob Sie eine Expert*innen-Karriere anstreben, oder eine Managementposition. Allerdings sollte Ihnen die Wahl in dem Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben, auch offenstehen.

Während man sich immer intensiv in ein Fachgebiet einarbeiten und technisch weiterentwickeln kann, können die Optionen für eine Managementkarriere begrenzt sein. Bedenken Sie, dass es gerade in kleinen Unternehmen möglicherweise über eine Teamleitung hinaus keine Entwicklungschancen gibt.

Und noch mehr schwierige Fragen

Neben klassischen HR-Fragen gibt es noch andere Fallstricke, die Sie mit entsprechender Vorbereitung gut umgehen können. „Viele Kandidat*innen haben Probleme, Ihre Gehaltsvorstellungen klar zu äußern,“ berichtet van Zeller. Lesen Sie dazu unser Spezial Gehalt verhandeln.

Ein anderer Stolperstein können Sprachkenntnisse sein. Immer mehr Unternehmen fordern ausreichende, nicht selten hervorragende Englischkenntnisse. Nehmen Sie dies ernst! „Es kommt nicht selten vor, dass Interviewpartner*innen mitten im Gespräch ins Englische wechseln,“ sagt van Zeller. „Dies kann zu Verunsicherung und Stress pur bei den Kandidat*innen führen, insbesondere, wenn sie nicht gewöhnt sind, in einer anderen Sprache zu arbeiten.“

Nehmen Sie Forderungen nach Fremdsprachenkenntnissen ernst!

Die Firmen sehen schnell, ob Bewerber*innen gut „umswitchen“ können und diese Fähigkeit fließt in ihre Wahl ein. Zwar müssten nicht immer alle in der Stellenausschreibung aufgezählten Fähigkeiten vorliegen. Doch, betont die Expertin, es bringe nichts, sich auf einen Job zu bewerben, wo gute Englischkenntnisse gefordert sind, wenn man die Sprache nicht ausreichend beherrscht.

Abschlusstipps von der Expertin

Bewerbungsgespräche können stressige Situationen sein. Eine gute Vorbereitung, den eigenen Lebenslauf, eigene Stärken und Schwächen, Vorstellungen und Grenzen gut zu kennen, hilft. Auch zum Arbeitgeber, der Abteilung und vakanten Position sollten Sie sich gründlich vorab informieren.

Ein Lächeln und einen festen Händedruck runden ein gelungenes Gespräch ab.

Darüber hinaus gilt es, Ruhe zu bewahren. Auch Ihre Gesprächspartner kochen nur mit Wasser. Und es zeugt nicht unbedingt von wesentlichen Defiziten, wenn Sie nicht auf alles eine Antwort wissen.

Vor allem: Bleiben Sie authentisch und denken Sie daran, dass es letztlich für beide Parteien passen muss.


Wollen Sie noch mehr Tipps, um sich auf Ihr bevorstehendes Jobinterview vorzubereiten? DreiKreis-Geschäftsführerin und Expertin Katharina van Zeller hat Tipps parat.
Lesen Sie hier alle Ratgeber zu unserer Serie zum Bewerbungsgespräch.

Teil 1: Erfolgreiches Vorstellungsgespräch – so klappt das Interview

Teil 2: Im Vorstellungsgespräch punkten

Teil 3: Agilität? Was ist das und wann brauche ich das.

Teil 4: Runde 2: Gespräch, Testaufgabe oder Assessment Center


Julie Ann Chan

Hamburg - London - Wien. Eine kaufmännische Ausbildung gefolgt von einem Jus-Studium und die langjährige Tätigkeit als stellvertretende Chefredakteurin und freie Journalistin sind das berufliche Rüstzeug der DreiKreis-Hausjuristin. Wenn sie gerade keine Verträge schreibt, kocht sie leidenschaftlich gern und schreibt über Essen & Trinken.

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