Was Vertrauen mit zukunftsfähigen Unternehmen zu tun hat

Desiree Hein

21. April 2017

In unserem derzeitigen Bildungssystem werden Kinder nicht zu eigenständigen und kreativen Menschen geformt, sondern zu unhinterfragenden, nachsagenden Regelnbefolgern. Zu dieser Problematik haben wir bereits Schulgründerin Andrea Schaffar interviewt, die das mit der LernArena ändern will.

Dieses Systemverhalten von der Schule zieht sich allerdings bis zur Arbeitsstelle durch. „Die traditionelle HR behandelt Mitarbeiter wie unmündige Kinder, die entweder geschützt oder kontrolliert werden müssen.“, fasst es die ehemalige BBC-Personalchefin Lucy Adams in einem Standard-Interview sehr schön zusammen. „Das alles geschieht mit einer Unzahl von Regeln, Vorschriften, wohlgemeinten Empfehlungen und paternalistischen Benefits wie etwa „Dress-down-Freitagen“. So ist auch das gesamte individuelle Entlohnungssystem mit finanzieller Belohnung für besonderes Wohlverhalten aufgesetzt. Wir schicken alle durch dieselben Kurse und Trainings, egal, was die Leute schon können, wie sie lernen und was sie längst verstanden haben.“
Adams trifft damit den Nagel unserer Zeit auf den Kopf. Von einer HR, die individuell auf einzelne Menschen zugeschnitten wird, die das Beste aus jeder Person hervorholt, sind wir noch weit entfernt. Stattdessen wird ein Dienstverhältnis gleich einmal mit einem Generalverdacht gegenüber dem Angestellten begonnen. So muss ein Arbeitsvertrag unterzeichnet werden, der voller Regeln und Sanktionen bei Verstößen ist. Damit wird gleich einmal klar gestellt, wer hier die Machtposition hat. „Das schafft ein Klima, in dem Menschen unfähig gemacht werden, Autoritäten herauszufordern, ihre Stimme zu erheben, Neues zu probieren, Risiken einzugehen.“, schlussfolgert Adams.
Wie kann ich mir als Arbeitgeber kreative und innovative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen, ihnen aber weder den Freiraum geben sich zu entfalten, noch das Vertrauen in ihre Eigenständigkeit? Und ich glaube, dass mangelndes Vertrauen hier wirklich der Knackpunkt ist. Und nicht nur hier, überhaupt. Der bekannte deutsche Zukunftsforscher Matthias Horx hat sich wissenschaftlich mit der Frage auseinandergesetzt, welche Faktoren ursächlich dafür sind, ob sich ein Staat zu einer prosperierenden Volkswirtschaft entwickelt oder ein Nährboden für Armut, Kriege und Diktaturen wird: „Vertrauen senkt die ‚Transaktionskosten‘ von Gesellschaften und Ökonomie, es macht sie von innen her produktiv. Man braucht nicht jedes Mal einen Schlägertrupp, wenn man ein Geschäft abschließen möchte. Man muss nicht immer einen Anwalt mitbringen, wenn man sich mit Fremden unterhält.“ (Horx, M. (2011): Das Megatrend-Prinzip, 33. München. Deutsche Verlags-Anstalt. S.33.)

Ein Unternehmen, das am Markt wettbewerbsfähig bleiben möchte, sollte also eine Kultur des Vertrauens schaffen. Wenn schon nicht aus philanthropischen Gründen, dann wenigstens aus ökonomischen, um seine Transaktionskosten gering zu halten. Wisst ihr, wie viel Zeit es kostet, sich um das soziale Tätscheln der Mitarbeiter zu kümmern? Immer wieder zwischen Mitarbeitern untereinander oder Management und Mitarbeitern mediativ zu vermitteln? Wie motiviert werden wohl die Angestellten sein, wenn ihnen kein Home-Office gestattet wird, aus Angst seitens des Managements dies könnte ausgenutzt und missbraucht werden?

Die Zeit ist gekommen – die Zeit umzudenken und HR neu zu begreifen. Nur eine disruptive HR wird innovative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorbringen. Als DreiKreis leben wir das vor. Freies, eigenverantwortliches Arbeiten und flexible Zeiteinteilung gehören zu unserem Arbeitsalltag, genau wie Wissensentwicklungsformate aus unserer „Gemeinsam sind wir schlauer“-Reihe. So darf sich jede Persönlichkeit bei uns entfalten und das Beste aus sich herausholen. Denn davon hat eben nicht nur der oder die Mitarbeiter/-in etwas, auch wir als Unternehmen profitieren von hochmotivierten und innovativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.


Von Desiree Hein

2017 bis heute Marketing & Communication Manager bei EMAKINA Central & Eastern Europe. 2016 bis 2017 Projektmanagerin bei MeineFamilie GmbH. 2016 bis 2017 Chefredakteurin Chapter2 Medien GmbH.


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