Gesucht: Die eierlegende Wollmilchsau

Johanna Kerber

22. Mai 2018

Als ich vor über 10 Jahren in der Personalberatungsbranche zu arbeiten begann, stolperte ich sehr schnell über den Begriff „Eierlegende Wollmilchsau“. Bis zu jenem Zeitpunkt war mir dieser Begriff neu, ab dann wurde er eine geflügelte Redewendung. Zumeist waren damit Unternehmen gemeint, die sehr hohe unrealistische Anforderungen an zukünftige Bewerber*innen hatten.

Gesucht ist der „überperfekte“ Match

Wikipedia zur „Eierlegenden Wollmilchsau“: „Eierlegende Wollmilchsau (…) ist eine umgangssprachliche Redewendung, mit der etwas (eine Sache, Person oder Problemlösung) umschrieben wird, das „nur Vorteile hat, alle Bedrüfnisse befriedigt, allen Ansprüchen genügt. Die Redensart veranschaulicht diese Idealvorstellung anhand eines imaginären Nutztieres, das als Hybridwesen die Vorzüge verschiedener Tierarten, nämlich von Huhn (Eier legen), Schaf (Wolle liefern), Kuh (Milch geben) und Schwein (Fleisch) in sich vereint.“

Die zwei Seiten der Medaille

Wenn wir für Unternehmen auf der Suche nach neuen Mitarbeiter*innen sind, so finde ich es nur fair, wenn sie für sich den bestmöglichen Kandidaten suchen und auswählen, der/die alle Vorzüge mitbringt und allen Ansprüchen genügt. Unsere Arbeitswelt ist ja auch eine, in der branchenübergreifendes Wissen zunehmend wichtiger wird. Das ist die theoretische Seite der Medaille.

Auf der praktischen Seite hat HR mit Menschen zu tun. Das heißt, niemand ist perfekt. Jede*r hat unterschiedliche Vorzüge und bringt verschiedene Vorerfahrungen mit. Niemand wird alles gleichermaßen gut können- zumindestens können es die Wenigsten.

DreiKreis als Vermittler und sparring partner

Wir sehen uns als sparring partner zwischen Unternehmen mit deren Anforderungen und Bewerber*innen mit deren Fähigkeiten. Meine Arbeit erlebe ich dann als zufriedenstellend, wenn ein*e Bewerber*in einen tollen neuen Job bekommt und das Unternehmen einen Mitarbeiter*in, der ihre Anforderungen bestmöglich erfüllen wird.

Habe ich nun den Eindruck, dass Unternehmen eine „eierlegende Wollmilchsau“ suchen, so hinterfrage ich die Anforderungen an den Job. Eventuell gibt es ja den einen oder anderen Punkt, der doch nicht so wichtig für die tägliche Arbeit ist. Unrealistische Vorstellungen an Bewerber*innen kommuniziere ich auch an die Auftraggeber*innen weiter. Genauso unterstütze ich Kandidat*innen so, dass die jeweiligen individuellen Vorzüge bestmöglich zur Geltung kommen.

Bewerber*innen sind manchmal auch betriebsblind

Manche Bewerber*innen sind quasi betriebsblind, was ihre eigene Arbeit angeht. Viele Tätigkeiten werden als selbstverständlich erachtet. Zum Teil stimmt dies auch, zum Teil eben nicht. Dann gilt es gemeinsam mit den Bewerber*innen zu erarbeiten, was selbstverständlich zu einer Tätigkeit gehört, und was darüberhinaus noch dazu gemacht wurde. Zum Beispiel ist es selbstverständlich, dass ein*e Teamleiter*in auch Führungsaufgaben übernimmt. Es ist aber nicht so klar, wie diese aussehen. Ist dies eine rein fachliche Führung? Oder ist auch disziplinarische Führung dabei? Wie sieht es mit der Personalsuche aus, ist dies auch dabei? Wie viel Entscheidungshoheit und Budgetverantwortung hat diese Person?

Mein persönlicher Ansatz zur Lösung

Meiner Erfahrung nach braucht es zuweilen für den „perfekten Match“ viel Kommunikation, um die Anforderungen an den Mitarbeiter*in und die individuellen Vorzüge und Fertigkeiten abzugleichen. Sehr oft schon stand ich als Vermittler dazwischen und war erstaunt, wie wenig Unternehmen und Bewerber*innen miteinander über ihre Erwartungen, Anforderungen und die Rahmenbedingungen reden. Das sind aber Punkte, die beide Seiten gleichermaßen betreffen!

Ich sehe unter anderem meine Aufgabe darin, dass ich unterstützend tätig bin, wenn es in der Kommunikation Schwierigkeiten gibt. Das heißt konkret: nachfragen, hinterfragen, klar stellen.

Bleibt als Fazit übrig: Die „eierlegende Wollmilchsau“ ist und bleibt ein Fabelwesen.


Von Johanna Kerber

Nach ihrem Studium der Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie in Wien und Paris hat Co-Founderin Johanna als Trainerin im arbeitsmarktpolitischen Kontext gearbeitet. Bei DreiKreis ist sie für die Bereiche Geschäftsführung, Sales und Finance verantwortlich. Neben ihrer Arbeit sind Johanna vor allem ihre Familie, die Natur und der Sport sehr wichtig.


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